Corona-Krise. Die Menschen schwanken zwischen panischen Hamsterkäufen und sorgloser Verleugnung, aber irgendwie ist doch allen klar, dass wir in einer Ausnahmesituation sind, die noch lange andauern kann.
Von der überall eingeforderten Solidarität ist leider wenig zu spüren: Toilettenpapier und haltbare Lebensmittel werden so gehamstert, dass für viele, die tatsächlich nur das kaufen wollen was ihnen zu Hause gerade ausgegangen ist, nichts mehr übrig bleibt. Weil man es ach, so eilig hat, rückt man seinen Mitmenschen nach wie vor auf die Pelle, hustet und prustet hemmungslos in die Runde und zeigt auch sonst: Hauptsache, ICH bleibe gesund. Wenn sich andere infizieren ist es halt deren Problem. Mich wegen anderer Leute einzuschränken, nö, dafür bin ich mir selbst viel zu wichtig.
Hut ab, vor all denen, die sich nicht nur anderen zuliebe einschränken, sondern sogar tatkräftig dabei helfen, die Auswirkungen der Pandemie möglichst gering zu halten. Die sogenannten „systemrelevanten“ Personen, wie Müllwerker/Straßenreinigung oder auch:
- Ärztinnen und Ärzte, Arzthelfer/innen, Pfleger/innen, Rettungskräfte, Polizei und Feuerwehr – sie alle haben Berufe, die per se zur Unterstützung anderer da sind. Jetzt in der Krise aber ist Arbeiten bis zur Erschöpfung für sie an der Tagesordnung.
- Tierheimmitarbeiter/innen sorgen mit ausgeklügelten Schichtplänen dafür, dass selbst im Infektionsfall die Betreuung der Tiere gewährleistet ist. Und das, obwohl der Tierbestand aktuell deutlich ansteigt, weil manche Menschen fürchten, sie könnten sich bei ihrem Hund oder ihrer Katze infizieren und diese daher ins Tierheim abschieben. Dabei kommt andererseits kaum Geld durch Vermittlung herein, weil der Kundenverkehr fast komplett zum Erliegen kommen muss, um Infektionen des Betreuungspersonals nicht zu riskieren.
- Beschäftigte in Lebensmitteleinzelhandel und Drogeriemärkten – sie können gar nicht so schnell die Regale auffüllen, wie ihnen die Ware weggehamstert wird. Kassierer/innen und diejenigen, die im Supermarkt für normale Mengenbeschränkungen beim Einkauf sorgen werden angepöbelt und beleidigt.
- Busfahrer, die keine Fahrkarten mehr verkaufen und nur noch die hinteren Türen öffnen (dürfen), werden ebenfalls rücksichtslos beschimpft.
- Auch die Landwirte, die in der Gesellschaft bisher so wenig Anerkennung für ihre Arbeit erhalten haben, für zig Natur-, Umwelt- und Tierschutzprobleme gegeißelt werden, sind auf einmal als systemrelevant eingestuft. Weil sie diejenigen sind, die für unsere vollen Regale sorgen! Deutschland hat dank seiner Bauern einen so hohen Selbstversorgungsgrad, dass wir nicht darben oder gar verhungern müssen, selbst wenn alle Importe gestoppt würden. Lediglich auf exotische Waren müssten wir eine Zeitlang verzichten, na und? Unsere Landwirte, die unermüdlich von morgens früh bis abends spät und manchmal sogar nachts auf ihren Feldern und für ihre Tiere arbeiten, sorgen für alle unsere Grundnahrungsmittel von Brot über Milch, Obst und Fleisch.
Zum Glück gibt es inzwischen auch Politiker, die jetzt merken, wie wichtig und eben systemrelevant diese Berufsgruppen sind. Aber merken Sie was? Von Ärzten/Ärztinnen und einigen Behördenmitarbeiter/innen mal abgesehen gehören die systemrelevanten Personen alle zu schlecht bezahlten und größtenteils wenig anerkannten Berufsgruppen.
Nur gut, dass sie sich jetzt nicht zurücklehnen und sagen „So, ich bin jetzt auch mal unsolidarisch. Wieso soll ich meine Gesundheit, meine Freizeit, mein Wohlbefinden für euch Egoisten opfern? Ihr schaut doch auch alle nur, wo ihr selbst bleibt.“
Deshalb sollten wir all diesen Menschen die in der Krise für uns sorgen, von Herzen dankbar sein!
Und nach der Krise nicht vergessen, wie wichtig sie waren und auch dann noch immer sind.
An sie alle – und auch an die Politiker, die sich derzeit die Nächte um die Ohren schlagen und zu erstaunlich unbürokratischen Hilfsmaßnahmen finden – ein großes, fettes
DANKESCHÖN!!!
von Winnie Bürger

