Besuch auf dem Hof von Burkhard Sagel in Bottrop-Kirchellen

Vergangene Woche schauten wir uns den Hof von Burkhard Sagel in Bottrop an, der von ursprünglich 3000 Schweinen auf nun etwa 30 Rinder umgesattelt hat. Eine Entscheidung, die er nicht bereut, denn jetzt kann er sich viel intensiver um seine Tiere kümmern. Sie alle haben Namen und Burkhard Sagel weiß nicht nur genau, welche Kuh wie heißt, er kennt vor allem auch ihre unterschiedlichen Charaktere, Vorlieben und Abneigungen und merkt sofort, wenn es einem seiner Tiere nicht gut geht oder eine „junge Mutter“ mit ihrem Kind überfordert ist.

Auch wenn sie jetzt im Winter im Stall sind, führen seine Rinder ein angenehmes Leben. Sie haben Platz um sich frei zu bewegen, haben Kontakt zu einander, können sich aber auch in eine stille Ecke zurückziehen oder in Ruhe abkalben.  Die sechs Kälbchen, die etwa ein dreiviertel Jahr bei ihren Müttern bleiben dürfen, haben einen eigenen Bereich, den die Großen nicht betreten können. Sie selbst können aber jederzeit zur Gruppe, die aktuell aus einem kastrierten Bullen, 24 Kühen und den Kälbern besteht.

Wir durften uns in der Gruppe frei bewegen und gleich kamen ein paar „verschmuste“ Kühe an und forderten Streicheleinheiten. Wir lernten, dass man ein Rind am Hals oder Rücken, nicht jedoch auf dem Kopf kraulen sollte, dass sie an der Schwanzwurzel kitzelig sind und dann ganz lustig den Hals verdrehen, dass man besser fest als zu sanft streichelt (damit das riesige Tier auch etwas spürt) und, dass sie durchaus auch eifersüchtig sein können. Und wenn sie keine Nähe möchten zeigen sie es auch ganz deutlich durch ein abwehrendes Kopfschütteln.

Ja, auch Burkhard Sagel lässt immer mal wieder ein Rind schlachten, hat dafür aber einen kleinen Schlachtbetrieb in der Nähe gefunden und mit ihm eine besondere Vereinbarung getroffen: wenn seine Tiere (immer zwei um den Stress zu verringern) kommen, sind keine anderen da. Dafür bringt er sie schon morgens um 6.00 Uhr, achtet darauf, dass sie ruhig entladen werden und der Schlachter sich ausrei­chend Zeit nimmt um mit präzise platziertem Bolzenschuss einen schnellen, sicheren Tod zu gewährleisten. Das Fleisch vertreibt er als Direktvermarkter unter www.tierfreundliche-landwirtschaft.de und in kleinen Mengen auch im nahegelegenen Lebensmittelhandel.

Was uns auffällt: wo sind ihre Hörner? Sagel hält nichts vom Enthornen, das hören wir gern und erfahren, dass man ganz problemlos hornlose Tiere züchten kann. Warum tut man den Tieren denn dann noch immer das schmerzhafte Enthornen an? Weil die Zuchtlinien ohne Hörner den Nachteil haben, dass sie weniger Milch und Fleisch liefern. Für diejenigen, die Wirtschaftlichkeit über Tierwohl stellen, leider keine Option.

Burkhard Sagel hat es nicht bereut, 3000 Schweine gegen 30 Rinder eingetauscht zu haben, aber er muss seine Kreativität spielen lassen, um wirtschaftlich überleben zu können. So gibt es auf dem Hof die Möglichkeit, Gemüsegärten zu mieten, er bietet Grillseminare an, man kann Kindergeburtstage dort feiern und „Kuhkuscheln“ buchen.  Und das Beste: man kann Patenschaften für Kälbchen übernehmen. Ein Kälbchen das ausreichend Paten hat wird nicht geschlachtet. Man darf es gerne besuchen (das ist sogar ausdrücklich erwünscht!) und kann alles – z.B. auch schon seine Geburt – via Webcam beobachten.

Aber dazu demnächst mehr…

Monika Piasetzky

Vorsitzende