Sieg! Antibiotika weiterhin für Tiere erlaubt

Update: Am 11.08.2021 haben wir hier berichtet, dass die EU über ein Verbot vieler Antibiotika für die Behandlung von Tieren entscheiden sollte. Wir und viele andere Tierschutzverbände, Tierärzte etc. haben vehement Einspruch eingelegt. Denn diese Regelung hätte nicht nur den Einsatz in der Massentierhaltung betroffen (den wir auch absolut ablehnen) sondern für unsere Haustiere, Zootiere, Wildtiere und Pferde bedeutet, dass sie nicht mehr so behandelt werden würden, wie ihre jeweilige Erkrankung es erfordert. Der Protest hat Wirkung gezeigt: die EU hat beschlossen, dass künftig alle erkrankten Tiere mit allen zur Verfügung stehenden Antibiotika behandelt werden dürfen!

Keine Antibiotika mehr für Tiere? (Artikel vom 11.08.2021)

Mitte September wird im Europa-Parlament darüber abgestimmt, welche Antibiotika künftig ausschließlich für die Behandlung von Menschen eingesetzt werden dürfen.

Das soll dem Antibiotika-Einsatz bei Nutztieren Einhalt gebieten, betrifft aber auch die Haustiere, Pferde, Zoo- und Wildtiere.

Inzwischen stammen nur noch 5 % der Antibiotikaresistenzen aus der Tierhaltung, denn das „Antibiotika-Monitoring“ der Landwirte hat den Einsatz dieser Medikamente bereits erheblich  verringert. Besonders bei Öko-Haltung werden Antibiotika nur noch in unbedingt notwendigen Fällen an einzelne Tiere gegeben. Viele Bauern sind da also schon auf einem sehr guten Weg.

Ein generelles Verbot, wie es jetzt geplant ist, würde außerdem nicht nur die Nutztiere, sondern alle Tiere betreffen und bei schweren Erkrankungen die nötige Behandlung verhindern. Und das, obwohl dem zuständigen Ausschuss ENVI ein Entwurf vorliegt, der wissenschaftlich entwickelt und mit der Europäischen Arzneimittelkommission, der WHO und vielen anderen entsprechenden Behörden abgestimmt ist. Dieser Entwurf, der Ausnahmen für einzelne Tiere bei schwerwiegenden Infektionen zulassen und dennoch den Gesamtverbrauch erheblich verringern würde, wurde von den Grünen in der ENVI jedoch gestoppt. Er ist ihnen nicht drastisch genug.

Ein generelles Verbot der aktuell gelisteten Antibiotika-Wirkstoffe für den Einsatz bei Tieren (ohne Ausnahme!) wird vielen Haustieren, Pferden, Zoo- , Wild- und Nutztieren erhebliches Leid und in vielen Fällen den Tod bringen. Denn es würde nur noch die Hälfte der jetzt zugelassenen Tier-Antibiotika übrig bleiben. Außerdem steigen die Resistenzen, je weniger Mittel zur Verfügung stehen.

Der Bundesverband praktizierender Tierärzte BpT ruft daher dringend zu einer Unterschriftenaktion auf: Sie können bei den meisten Tierärzten auf einer Unterschriftenliste unterschreiben oder Sie unterzeichnen im Internet bei www.change.org die dortige Petition in der Rubrik „Tiere“.

Die Aktion geht bis zum 08.September und wird von uns umfassend unterstützt.

Es darf ja ruhig eine Liste von Antibiotika geben, die der Humanmedizin vorbehalten bleiben. Aber es muss auch ausreichend Mittel geben, mit denen Tiere behandelt werden dürfen. Und selbst in der Massentierhaltung muss es unbedingt in Einzelfällen (!) erlaubt sein, einem kranken Nutztier Leid zu ersparen. So, wie es das Tierschutzgesetz vorschreibt.

Deshalb machen Sie bitte mit – es kann das Leben Ihres Tieres retten!