Am 03.August 2021 hatten wir endlich einmal die Gelegenheit, den Pötterhof von Willi Steffens in Brüggen-Bracht zu besichtigen. Mit dabei war Jürgen Berens von Rautenfeld, dessen Firma tierwohl tv für den Live-Stream aus den Ställen an die Fleischtheken zuständig ist.
Denn Willi Steffens vom Pötterhof hat nichts zu verbergen und zeigt das auch gerne den Kunden, die das Fleisch seiner fröhlichen Schweine kaufen.
So steht auf seinem Hof ein Verkaufsautomat, aus dem man täglich von 6.00 bis 22.00 Uhr vakuumverpackte Ware kaufen und dabei durch ein großes Fenster einen Blick in einen der Ställe werfen kann. Dort – wie auf dem ganzen Hof – haben die Schweine neben dem dick eingestreuten Strohbereich auch einen Teil mit Spaltenboden. Zum Abkühlen bei warmen Temperaturen und zum Einrichten des Kotbereiches, den sie nach Möglichkeit vom Schlaf-, Fress- und Aktivbereich abtrennen und an einer kühlen, feuchten Ecke einrichten. Eines der vielen angeborenen Bedürfnisse der Schweine, die Willi Steffens schon seit über zwanzig Jahren berücksichtigt um seinen Tieren ein gutes Leben zu ermöglichen. Denn für ihn ist klar: wer Tiere hält hat die Verpflichtung, dafür zu sorgen, dass es ihnen gut geht. Das Tier selbst hat ja keine Wahl – wenn man es in eine Kiste sperrt muss es dort leben, wenn man es in einen nach Ammoniak stinkenden Stall sperrt muss es dort leben, es ist vollkommen davon abhängig, was man ihm antut. Also macht er es seinen Schweinen schön, weil er diesen klugen, neugierigen Tieren, die ja immerhin ihr Leben für den Fleischbedarf der Menschen lassen, eine möglichst gute Lebenszeit bieten will.
In den zwanzig Jahren, seit er „zurück zum Stroh“ gekommen ist (denn auch er hatte ursprünglich einen der praktischen, weniger arbeitsintensiven, konventionellen Ställe) hat er einiges ausprobiert und auch noch jetzt immer wieder neue Ideen und Verbesserungen. Aber im Wesentlichen steht das Konzept des Pötterhofes: Außenklima- bzw. Offenställe, deren Spitzdächer aus stabiler witterungsfester Plane kostengünstig durch einen massiven Metallrahmen getragen werden, dick mit Stroh bedeckte planbefestigte Böden inklusive der oben beschriebenen unterschiedlichen Nutzbereiche, hygienisch einwandfreie Tränken und viel Platz zum Rennen, Wühlen, Schlafen, Spielen oder Kuscheln. Das System mit den Planen ermöglicht es je nach Witterung eine oder mehrere beliebige Seiten ganz oder teilweise zu öffnen oder zu schließen – für die Schweine eine perfekte Lösung.
Dieses Konzept, das nicht nur für die Schweine gut ist, sondern auch noch eine kostengünstige Alternative zu den teuren Stallneubauten der kommerziellen Hersteller darstellt, stellt Willi Steffens in einem Franchise-System auch anderen interessierten Landwirten zur Verfügung. Er gibt sein umfangreiches Know-How an sie weiter, sie behandeln ihre Tiere nach seinen Vorgaben und bei Erreichen des Zielgewichtes kauft er sie zu einem vorher vereinbarten, guten Preis zurück. Dabei ist ihm wichtig, dass die Bauern erst einmal testen, ob sie mit den Anforderungen der Strohhaltung überhaupt dauerhaft klarkommen. Denn natürlich ist es ein Unterschied, was den Arbeitsaufwand, die Hygiene etc. angeht. Das muss man können und wollen.
Wichtig ist Willi Steffens aber auch, die Begleitung seiner Tiere bis zum letzten Moment. „Ich sorge dafür, dass sie ein gutes Leben haben – da kann ich sie nicht einfach in den Transporter zum Schlachthof verladen und was da passiert ist mir egal!“ Er oder einer seiner Mitarbeiter transportieren die Tiere im eigenen LKW zu einem der beiden Schlachtbetriebe, deren Methoden eine stressarme Behandlung und schnelle, zuverlässige Tötung seiner Schweine gewährleistet. Von der CO2-Betäubung, wie sie in großen Schlachthöfen angewandt wird, hält er nichts. Das sei eine wirklich grausame Tötungsmethode. Natürlich könne derzeit nur durch CO2 eine hohe Schlachtzahl erreicht werden, aber seiner (und natürlich unserer) Ansicht nach, sind diese gewaltigen Schlachtzahlen gar nicht erstrebenswert. Lieber sollten die Leute weniger Fleisch essen, dabei aber auf gute Qualität, regionale Herkunft und beste Behandlung der Tiere achten. Es sei wichtig, dass die Verbraucher endlich wertschätzen, wenn ein Tier für das Produkt sein Leben gegeben hat. Denn der Verbraucher hat die Macht – nur was er kauft, wird produziert. Es liegt am Ende in seiner Verantwortung, durch sein Kaufverhalten die Lebensbedingungen der Tiere zu gestalten.
Von den gängigen Siegeln hält Willi Steffens wenig. Haltungsstufe 4 des Lebensmittelhandels ist aktuell das Gütesiegel für besonders gute oder Bio- Haltung. Selbstbewusst macht Willi Steffens klar „Wenn mich jemand nach meiner Haltungsstufe fragt, dann sag ich: 10.“
Die Kunden an den mit Tierwohl TV ausgestatteten Fleischtheken werden ihm da zustimmen: seinen Schweinen geht es wirklich gut!
Sein Stallkonzept ist von den zuständigen Behörden in vollem Umfang genehmigt worden. Dennoch ist auch für ihn jede Neuerung mit dem zähen Ringen um Baugenehmigungen und veterinäramtliche Erlaubnis verbunden. Wie auch wir hofft Willi Steffens da auf ein Umdenken der Bürokratie. Wenn die Gesellschaft mehr Tierwohl will, muss es den Bauern auch ermöglicht werden, die notwendigen Maßnahmen schnell und einfach umzusetzen. Leider ist die Politik da momentan noch mehr mit Worten als mit Taten unterwegs. Daran arbeiten wir…
Aber es ist auch unerlässlich, dass die Gesellschaft – sprich: die Verbraucher – gewillt sind, den Aufwand der Tierhalter zu honorieren. Dafür können sie dann aber auch ihr Stück Fleisch wirklich mit gutem Gewissen genießen.
