Mein neuer Weg

Mein neuer Weg

Seit 3 Wochen ernähre ich mich fleischfrei. Natürlich wurde ich gefragt, warum ich mich für diesen Ernährungsweg entschieden habe. Die Antwort ist eigentlich ganz einfach.

Ich befinde mich mitten im Umzug. Die Küche ist quasi schon eingepackt. Von daher gehe ich, nach der Arbeit irgendwo eine Kleinigkeit essen.  Wenn ich im Schnellimbiss und Co sitze und in einen Burger beiße oder eine Currywurst bestelle, und auf meinem T-Shirt Tierheim Düsseldorf steht, kommt man sich komisch, nein gar verlogen vor. Dazu kommt die Tatsache, dass im Tierheimalltag mit vielem Leid konfrontiert wird, was der Mensch anrichten kann. Auch die Fahrten über die Autobahn, vorbei an großen LKWs, die bis zum Rand mit lebenden Tieren gefüllt sind, treibt einem die Tränen in die Augen.

Deswegen verzichte ich auf Fleisch. Vermissen tue ich nichts.

Durch die Umstellung durchsuche ich das Internet nach Alternativen. Dabei ist mit aufgefallen, dass die Fleischersatzersatzprodukte wesentlich teurer sind als das Schnitzel oder der Braten von Schwein oder Rind. Das verstehe ich nicht!

Ein großer, bekannter Wurstwarenhersteller bietet zum Beispiel 100g Leberwurst für 1,03€ an. Nebenbei produziert diese Firma aber auch veganen oder vegetarischen Brotaufstrich an. Die 100g vegetarische Variante von Leberwurst kostet 2,23€. Ich muss für eine Streichmasse aus Pflanzen wirklich mehr als doppelt so viel bezahlen?  Weiter geht es mit 800g Seitan. Kostet im Internet 15€. Im Gegensatz 1 Kg Schweinefilet kostet, beim Discounter 6,99€.

Ich soll für Pflanzen, die zu Lebensmittel verarbeitet wurden mehr bezahlen als für tierische Produkte? Das steht für mich in keinem Verhältnis. Ein Lebewesen wird gemästet, auf engstem Raum eingesperrt ohne jemals die Sonne zu Gesicht bekommen oder einmal in ihrem Leben eine grüne Weide betreten zu haben.  Ein Milchkalb, lebend hat einen Wert von rund 8€. Das ist der Industrie ein Leben wert. Nicht mehr, nicht weniger.

Aber auf den Zug des Umdenkens springen sie gerne auf. Es ist „IN“ auf Fleisch zu verzichten. Das ist eigentlich auch ein guter Weg. Aber die Firmen möchten von mir profitieren. In dem sie mir Pflanzenkost, zusammengepresst zu einem Ersatzprodukten für horrendes Geld andrehen wollen.

Da läuft doch gewaltig was schief! Ich verstehe das nicht und es macht mich wütend. Welchen Stellenwert hat ein Tier? Für die Industrie hat ein Lebewesen, in dem ein Herz schlägt und Gefühle besitzt anscheinend nicht. Der Stellenwert einer Pflanze ist höher. Sonst würden sie nicht dafür mehr verlangen. 

Solange sich das nicht ändert werde ich mich weiter von den saisonalen und regionalen Beilagen ernähren. Diese Schieflage bin ich nicht bereit zu unterstützen. Solange ich für Haferschleim verdünnt mit Wasser das vierfache bezahle als für Kuhmilch bleibt der Kaffee schwarz!

Wenn ein Tier in der Relation zur Pflanze an das Ende der Nahrungsherstellung gestellt wird ist das eine große Unverschämtheit!

Von Simone Kuhleber

Simone Kuhleber
Tierschutzinspektorin