Pferdeblut für die Schweinezucht

So schöne Bilder! Auf seiner Homepage zeigt das Thüringer Gestüt Meura idyllische Bilder von gesunden Pferden, fröhlichen Kindern, Wiesen, Weiden und einem glücklichen Zusammenleben von Mensch und Pferd. „Das größte Gestüt Europas für Haflinger und Edelbluthaflinger“ bietet von Reitkursen über Pferdepension bis hin zur Zucht lauter tolle Sachen an. Was die Homepage nicht erwähnt: in Meura werden trächtige Stuten dazu benutzt, ein lukratives Geschäft mit ihrem Blut zu betreiben, denn in den ersten vier Schwangerschaftsmonaten enthält dieses Blut relativ hohe Mengen des Hormons PMSG.

Mit dicken Kanülen entnimmt man aus der Halsvene der trächtigen Stuten ein- bis zweimal pro Woche rd. 10 Liter Blut. Daraus wird das Hormon extrahiert und an Tierarzneimittel-firmen verkauft. Für viel, sehr viel Geld, denn PMSG wird erfolgreich in der Sauenhaltung eingesetzt um die Sauen gleichzeitig in die Rausche (Empfängnisbereitschaft) zu bringen und damit auch fast gleichzeitige Geburten zu erreichen. Das spart in der Massen-tierhaltung eine Menge Zeit und Arbeit und hat auch noch den „wunderbaren“ Nebeneffekt, dass mit PMSG behandelte Sauen mehr Ferkel bekommen als üblich. Die Zahl der geworfenen Ferkel liegt zwar zuchtbedingt bei den meisten Sauen ohnehin schon so hoch, dass die Muttertiere weniger Zitzen haben als hungrigen Nachwuchs, aber da nimmt man eben Ammensauen oder kalkuliert die Verluste nicht ausreichend ernährter Ferkelchen einfach schon mal mit ein.

Dabei gibt es synthetische Medikamente oder die natürlichste Alternative eines „Suchebers“ (den die Sauen riechen, empfängnisbereit werden und so auch zeitgleich besamt werden können). Beides funktioniert gut – nur eben nicht ganz so effizient wie PMSG und es steigert auch nicht die Geburtenzahl. Auf diese Vorteile will der Massentierhalter natürlich nicht verzichten. Was kümmert ihn da das Leid der Stuten?

Diese leiden bald unter Blutarmut, Immunschwäche und Kreislaufzusammenbrüchen. Die vielen Einstiche können Thrombosen und schmerzhafte Entzündungen verursachen, aber was noch schlimmer ist: nach Ablauf der knapp vier Monate (11 Wochen), wenn nicht mehr so viel PMSG im Blut ist, wird der Fötus durch einen Schnitt in die Fruchtblase der Stute abgetrieben. Das Fohlen getötet, damit die Stute möglichst schnell wieder erneut trächtig wird und PMSG bildet.

In Meura wird seit 30 Jahren so vorgegangen, obwohl das rechtswidrig ist und dem Tierschutzgesetz widerspricht. Der Deutsche Tierschutzbund hat dies bereits im vergangenen Jahr angeprangert, jedoch sowohl vom Thüringer Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie als auch vom Landesamt für Verbraucherschutz abschlägige Antworten erhalten. Das Ministerium fühlte sich nicht zuständig, das Landesamt wollte keine Daten herausgeben, weil das Gestüt dem nicht zustimmte. Dort hatte man nämlich Angst, dass „Betriebsgeheimnisse“ bekannt würden…

Wenn Sie etwas tun wollen: schreiben Sie an Ministerium und Landesamt, an Cem Özdemir und die Bauernverbände und fordern Sie, dass PMSG in der Schweinezucht nicht mehr zum Einsatz kommen darf. Auch wir bleiben an dem Thema dran!

  • Haflinger-Gestüt Meura, 98744 Meura, Ortsstrasse 116        info@haflinger-in-meura.de
  • BMEL Bundesministerium für Landwirtschaft, Minister Cem Özdemir, 11055 Berlin
  • Thüringer Ministerium für Arbeit, Soziales usw., Werner-Seelenbinder-Straße 6, 99096 Erfurt
  • Thür. Landesamt für Verbraucherschutz, Tennstedter Str. 8/9, 99947 Bad Langensalza
  • Deutscher Bauernverband, Joachim Rukwied, Claire-Waldoff-Straße 7, 10117 Berlin
    presse@bauernverband.net