Handicap – na und?

Seit ein paar Monaten lebt in unserer Nachbarschaft ein junger Labrador mit einem irgendwie komischen, wackligen Gang. Was wohl der Grund ist? Gestern kam ich mit seinem Herrchen ins Gespräch (während mir der fröhliche, freundliche Hund hingebungsvoll die Hand abschleckte) und erfuhr, was mit Cookie – wie ich ihn hier nennen will – los ist. Er kam mit dieser Behinderung auf die Welt, war einer von insgesamt zwölf Welpen, und alle außer ihm waren kerngesund. Nur bei Cookie waren zwei Rückenwirbel so verformt, dass er seine Hinterbeine nicht richtig kontrollieren kann und deshalb diesen Wackelgang hat. „Aber wir haben abklären lassen, dass er keine Schmerzen hat. Das war uns wichtig, dass er nicht leidet.“ erklärte sein junger Besitzer.

„Es beeinträchtigt ihn nicht. Er geht spazieren, wie jeder andere Hund auch. Er rennt und spielt und freut sich seines Lebens. Wäre er ein Mensch, würde er mit seinem Schicksal hadern, aber so ein Hund denkt ja gar nicht darüber nach. Ihm ist egal, wie er aussieht, oder was er vielleicht nicht kann . Er nimmt das Leben so, wie es ist und hat Spaß.“ Wie zur Bestätigung blickte Cookie mit einem breiten Hundelächeln zu mir hoch. Nein, das war kein Hund der litt. Das war ein Hund voller Lebensfreude.

„Ich finde es toll, dass Sie sich für Cookie entschieden haben und nicht für einen der gesunden Welpen aus dem Wurf.“ sagte ich. „So viele Leute wollen doch nur das perfekte Haustier, und wenn sich herausstellt, dass es das nicht ist, oder wenn es altersbedingt nicht mehr perfekt ist, dann wird es ins Tierheim abgeschoben.“ Der junge Mann schüttelte den Kopf. „Wir haben uns ganz bewusst für Cookie entschieden. Meine Frau war damals schwanger, und wir haben uns gesagt, dass wir ja auch unser Kind nicht ablehnen würden, wenn es eine Behinderung hätte. Warum sollten wir also Cookie kein Zuhause geben?“

Was für eine großartige Einstellung! Das Kind dieser jungen Leute wird nicht nur mit einem wundervollen Hundekumpel groß, es wird auch von Anfang an lernen, dass es nicht auf Äußerlichkeiten ankommt. Ein wackliger Gang, ein fehlendes Auge, Narben, kupierte Ohren oder gar ein amputiertes Beinchen – ganz egal, wenn ein liebevolles Herz in diesem Tier steckt.

Ich bin sicher, Cookie wird seine Familie sehr glücklich machen, auch wenn, oder gerade weil, er beim Gehen ein wenig wackelt!