TGI Teil 2
Wir berichteten im Herbst über den ersten Teil der Fortbildung im Bereich der TGI (Tiergestützte Intervention). Letzten Monat waren meine Kollegin Yvonne und ich wieder im ostfriesischen Norden auf Tomte´s Hof, um am zweiten und finalen Teil des Lehrgangs teilzunehmen. Nachdem beim letzten Mal Augenmerk auf der artgemäßen Haltung der Tiere lag, ging es diesmal ans Eingemachte: Das Training der Tiere.
Für uns der spannendste Part. Wir haben zwar unsere Tiere seit Jahren im Einsatz mit Schulklassen, wollten aber mehr dazu lernen und welcher Zeitpunkt eignet sich besser, als zu unserem Einzug auf den eigenen Hof? Es ist nämlich gar nicht so leicht, wie es sich anhört. Kinder oder „Klienten“ einfach auf die Tiere loszulassen, kann gehörig nach hinten losgehen. Zum einen hat Jeder in diesem Beziehungsdreieck [Klient]-[Fachkraft]-[Tier] andere Erwartungen und bringt völlig unterschiedliche Eigenschaften mit sich. Im therapeutischen Bereich sind Schafe z.B. laut Fachliteratur gut für ängstliche Kinder oder Personen mit Angststörungen einzusetzen. Schafe strahlen eine unheimliche Ruhe aus und sind sehr sanft im Umgang, während Ziegen, von Natur aus neugierig und mutiger, Kinder durchaus beängstigen können. Gleichzeitig müssen die Bedürfnisse der Tiere zu jedem Zeitpunkt beachtet, berücksichtigt und von der Fachkraft „gelesen“ werden. Gerade Fluchttieren sollte ein Bereich geschaffen werden, der dem Rückzug dient und der vom Klienten nicht überschritten wird. Eine Begegnung basiert im Idealfall daher auf Freiwilligkeit des Tieres, das jederzeit wieder gehen darf. Dieser Spagat zwischen dem Kind, das gewisse Wünsche hat, dem Tier, das ich lesen muss und seine Bedürfnisse berücksichtige und der Lehrperson, die wiederum andere Erwartungen an die Begegnung hat, ist die Kunst der TGI (auf uns bezogen). Wir werden auf dem Hof keine therapeutische Arbeit leisten, sondern als Bildungsprojekt Begegnungen schaffen, die sensibilisieren und Wissen vermitteln. Dabei ist unser Anspruch, das möglichst artgemäß umzusetzen.
Also zurück in den Norden:
Die gute Basis der Begegnungen wird im Training der Tiere geschaffen. Auch das muss gut durchdacht sein. Auf dem Tomte´s Hof wird jeden Tag trainiert. Die lustigen Wollschweine z.B. stellen sich an ihre jeweiligen „Stationen“ (unterschiedliche Zeichen in Nasenhöhe) und berühren auf Kommando ihr Zeichen. Stehen sie mal schief, werden sie gebeten, sich richtig hinzustellen und das passiert dann auch tatsächlich. Als würden sie jedes Wort verstehen. Die Ziegen machen vor allem Targettraining, bei dem sie mit ihrer Schnauze das Target (Stab mit farbigem Ball) berühren. Dabei stehen sie mal auf den Hinterbeinen oder springen auf einen Baumstamm usw. Ihre natürliche Vorliebe, auf erhöhte Plätze zu gehen, wird hier aufgefangen. Mit den Eseln konnten wir sogar Parcour laufen und Dehnübungen machen. Sogar Kaninchen sind auf kleine Targets trainiert. Die Schafe stellen sich mit ihren Vorderbeinen auf die „Hopp-Hopp-Bank“ für ein Stück Knäckebrot. Aber jedes Tier auf seinem vorhergesehenen Platz!
Wir waren und sind tief beeindruckt von der Professionalität und Tierliebe, mit der dort gearbeitet wird. Die klare Kommunikation und die Vertrauensbasis, zwei der Säulen von Tomte´s Hof, sind ebenso einleuchtend wie schwierig. Wir Menschen neigen dazu, unsere Tiere zu locken, um ihnen dann etwas abzuverlangen, was sie nicht haben kommen sehen (beispielsweise Krallen schneiden). Unser Verhalten kostet Vertrauen! Beispielsweise ist das Klauen schneiden für Schafe alles andere als angenehm. Statt sie aber anzulocken, wird ganz klar die „Klauen-Tasche“ gezeigt und kommuniziert, was jetzt kommt. Mit viel Ruhe werden dann Klauen geschnitten ohne dass die Tiere von uns „veräppelt“ wurden.
Das ist nur ein winziger Teil des Gelernten, das wir dankend mit nach Hause nahmen. Vor uns liegt nun ein langer Weg. Der TiNa-Hof ist nach wie vor Baustelle und nun liegt es an uns, direkt die Tierbereiche nach TGI-Aspekten zu gestalten und Trainingspläne aufzustellen. Wir freuen uns sehr, unsere Tiere bald in einen neuen Alltag zu integrieren und kleine Trainingseinheiten anzufangen. Wir werden berichten…
Von Natascha Karvang

