Beim Nachdenken darüber kam mir in den Sinn, wie oft Hundebesitzer ihr Tier nicht mit einem anderen Kontakt aufnehmen lassen. Einfach nur, weil der andere nicht ihrem „Niveau“ entspricht. Als würde ihr teurer Rassehund irgendeinen Schaden davontragen, wenn er mit dem ehemals rumänischen Straßenhund spielt.
Den Besitzern von Listenhunden geht es ständig so. Freudig wedelnd kommt ein Viszla-Welpe auf meinen (durch bestandenen Wesenstest maulkorbbefreiten) Staff zu. Der freut sich auch wie Bolle über den Kleinen, wirft sich in Spielposition – aber Viszla-Frauchen zieht hektisch ihren Hund weg. Der Welpe enttäuscht und um die wichtige Erfahrung gebracht, mit Hunden jeder Rasse, Größe und jeden Geschlechts umgehen zu können, Staff enttäuscht, weil er nach der langen Tierheimzeit doch so gerne mit anderen spielt.
Die Besitzerin eines Pudel-Mix zerrte ihren Hund, der ebenfalls begeistert zu meinem Staff gelaufen kam, mit dem Aufschrei „Nicht mit dem!“ zurück. Ich sagte (ruhig), dass sie keine Sorge haben müsste, mein Hund sei völlig friedlich, freundlich und habe auch den Wesenstest bestanden. Ihre Antwort: „Aber das ist doch ein Kampfhund!“. So, als ob es überhaupt nicht möglich sei, dass ein Hund einer dieser Rassen harmlos und nett sein könnte.
Nur Aussehen und Rasse zählte, nicht die Körpersprache und das tatsächliche Verhalten.
Das ist das Schlimme an Vorurteilen. Nicht, dass man sie hat – wohl jeder hat irgendwelche Ressentiments gegen irgendwen oder irgendwas. Häufig durch die Familie geprägt, durch Freunde oder Soziale Medien. Nein, das Schlimme ist, wenn man sie unreflektiert auslebt. Wenn man nicht über den Tellerrand schauen will, nicht bereit ist, dem vermeintlich Üblen eine Chance zu geben, das Gegenteil zu beweisen. Dabei nimmt man sich selbst so viel: die Erfahrung, dass Gut oder Böse nicht von der Rasse, der äußeren Erscheinung, dem Portemonnaie abhängt. Sondern nur von der Seele. Vom Charakter. Vom Herzen.
Um bei den Hunden zu bleiben: sie schauen bei ihrer Zuneigung nicht auf Äußerlichkeiten oder Statussymbole. Bestes Beispiel ist unser Dreamteam Arnie und Maschu. Beides Rüden, nicht zusammen aufgewachsen und doch die allerbesten Freunde. Arnie, der große, starke, souveräne Herdenschutzhund und Maschu, der sportliche, fröhliche und unendlich liebebedürftige Jagdhund. Unterschiedlicher geht es kaum und doch lieben sie sich so sehr, dass wir es nicht über uns bringen, sie zu trennen.
Versuchen Sie doch auch einmal, Ihre Vorurteile wegzuschieben und Andere als Individuum kennen zu lernen. Vielleicht wird eine Freundschaft daraus, wie bei Arnie und Maschu.
Frei nach Antoine de Saint-Exupéry: „Man sieht nur mit dem Herzen gut!“
