Darf es etwas weniger sein?

Heute muss es endlich mal raus. Wir werden gerade von einer Flut von Mini- und Micro-Zwergspitzen überrollt. Für ein paar Rubel oder Lira irgendwo im Nirgendwo gekauft und mit dubiosen Papieren dem gutgläubigen Touri in die Hand gedrückt.

Am Flughafen ist dann Schluss mit Schönschreiben. Die Zöllner im Reiseverkehr haben nicht nur ein gestochen scharfes Auge, sondern auch ein feines Näschen…

Den ganzen Tag nur in fremden Koffern wühlen und Kippen zählen war gestern, im Flug-Reiseverkehr müssen die Zoll-Mitarbeiter auf Zack sein. Sind die vorgelegten Papiere vollständig und plausibel? Passt der Hund zum Tollwut-Impfnachweis? Ist das Tier in einem reisefähigen Zustand?

Verängstigt und von oben bis unten voll mit den eigenen Exkrementen – so landen viele Welpen aus dem internationalen Reiseverkehr bei uns im Tierheim, bis alle offenen Fragen zum Impf- und Gesundheitsstatus geklärt sind.

In unseren Tollwut-Überwachungsräumen wird die Zahl der Plätze eng – obwohl die Hunde dabei immer kleiner werden. Knapp ein Dutzend Zwerg-, Mini- und Microspitze werden von unseren Tierpflegerinnen ver- und umsorgt. Tatsächlich werden die Welpen immer kleiner und kleiner. Ein explodiertes Wollknäuel mit zwei hilflosen Knopfaugen – auch für gestandene Tierpfleger*innen zum dahinschmelzen. Aber macht sich da noch irgendwer Gedanken was diesen armen Geschöpfen bevorsteht? Über die Welpensterblichkeit und Lebensbedingungen der Hündinnen bei russischen oder türkischen „Züchtern“ möchten wir gar nicht spekulieren.

Hier in Deutschland sollen die Hunde meistens zur Begeisterung der Kinder herhalten, dabei wird die Empfindlichkeit dieser über“züchteten“ kleinen Wesen einfach außer Acht gelassen. Wie robust und kräftig kann der Körperbau eines 2 Kilo Hundes schon sein? Mit viel Glück landet er beim erstem, zweiten und dritten mal noch weich auf dem Kinderzimmerteppich, aber irgendwann fällt er ungünstig vom Bett und bricht sich irgendwas. Erfahrungsgemäß ist in solchen Situationen die Bereitschaft und die finanzielle Leistungsfähigkeit der Halter überschaubar – kann man doch beim nächsten Ferienbesuch in Osteuropa einfach wieder einen neuen kaufen.

Diese kleinen genetischen Krüppel sind dafür geboren, von einem zum anderen gereicht zu werden – und das im wahrsten Sinne des Wortes! Man munkelt, dass es Mini-/Mikro-Zwergspitze gibt, die tatsächlich noch nie Erdboden, Sand oder Wiese unter den kleinen Pfoten hatten, weil sie fast ausschließlich außerhalb der eigenen Wohnung getragen werden. Okay, ein weißer Mini-Zwergspitz in einer Löwenzahn-Wiese ist ja fast nicht mehr wieder zu finden und wird zusammen mit den Löwenzahn-Samen vom Wind einfach davon getragen… *Ironie off*

Jedem muss klar sein, der sich einen solchen Hund (egal auf welchem Weg) anschafft, dass er sich eine*n sehr sympathische*n Tierarzt*in suchen sollte – sie werden viel gemeinsame Zeit miteinander verbringen in den nächsten Jahren!
Schlecht „gezüchtete“, bzw. sorglos vermehrte Teacup-Welpen (die heißen tatsächlich so!) werden über kurz oder lang Probleme mit den Knochen, Sehnen und Bändern bekommen, neigen zu Allergien, neurologischen Ausfällen und allerhand anderer kostspieliger Krankheiten. (tf)

Qualzucht bleibt Qualzucht! – Knopfaugen ändern daran gar nichts.