Bald müssen sie wieder dran glauben: die Martinsgans und kurz danach die Weihnachtsgans.
2019 wurden etwa drei Tonnen Gänse in Deutschland geschlachtet, weitere rund 20 Tonnen Gänsefleisch wurden hauptsächlich aus Polen und Ungarn importiert. Das importierte Fleisch ist billiger, und nur das zählt – wie es den Tieren geht, schert mal wieder kaum einen der Käufer.
In Polen, Ungarn, Bulgarien, Spanien, Belgien und Frankreich (um nur die EU-Länder zu nennen) ist die Stopfmast von Gänsen immer noch erlaubt. Durch ein tief in den Hals gestecktes Rohr stopft man den hilflosen Tieren bis zu 1 kg Futter täglich in den Körper, damit sie eine Fettleber entwickeln, die dann als Delikatesse „Foie gras“ teuer verkauft werden kann.
Auch Lebendrupf von Daunen (für die ach so schön kuschelwarmen Daunenjacken und -betten) ist in Osteuropa und China noch immer an der Tagesordnung. Bei lebendigem Leib werden die Federn ausgerissen; wenn die Wunden verheilt und die Daunen nachgewachsen sind, wiederholt sich die grausame Prozedur bis das Tier irgendwann an Infektionen oder schlicht am Schmerz stirbt.
Ein tolles Tier, diese Gans! Erst lässt man sie für die Daunen und die Stopfleber leiden, dann kann man sie noch gewinnbringend, meist tiefgekühlt in den Supermärkten, nach Deutschland verkaufen. Drei Dinge zum Preis von einem – wenn das kein geiles Schnäppchen ist!
Für diese Tiere ist der Tod eine Erlösung von einem Leben voller Qual, ohne Tageslicht, Auslauf, Wasser (Gänse sind Wasservögel!) oder gar Wiese. Dabei genießen diese klugen, neugierigen und aufmerksamen Tiere es so sehr, wenn sie im Gras nach Futter suchen, im Teich untertauchen, mit Artgenossen herumrennen und die Sonnenstrahlen auf ihrem Gefieder spüren können.
Ja, die Bio-Gans vom Erzeuger aus dem Nachbardorf ist teuer. Die Gans, die der Metzger vom ihm bekannten Landwirt aus Freilandhaltung bekommt, kostet ein Vielfaches der Billiggans aus der Tiefkühltruhe des Discounters.
Aber wie gefühllos muss man sein um die importierte Qualgans zu kaufen, nur weil man Lust auf den Geschmack und keine Lust auf angemessene Preise hat? Wie kann man das Fleisch eines Tieres genießen, das sein ganzes Leben lang so unsagbar gelitten hat?
Können Sie’s? Ich nicht!
