Neues aus der Forschung

Bekanntlich haben wir das Landwirtschaftsprojekt seinerzeit ins Leben gerufen, da die betäubungslose Ferkelkastration nach Ablauf der eigentlichen Frist um weitere zwei Jahre verlängert wurde. Unser „Schwein ohne Pein“ zielt darauf ab, den jährlich rd. 27 Millionen männlicher Ferkel (in zwei Jahren also rd. 54 Millionen) so schnell wie möglich die chirurgische Kastration zu ersparen. Dafür präferieren wir die Immunokastration, eine Art Impfung, die zuverlässig den Ebergeruch – der den Hauptgrund für die Kastration darstellt – verhindern kann.

Wir haben mit unserer Aktion gute Erfolge erzielt und vielen Tausend Ferkeln die blutige Kastration ohne Betäubung erspart. Die Landwirte, die mitgemacht haben, sind größtenteils auch bei der Immunokastration geblieben nachdem ab 01.01.2021 die betäubungslose Kastration endlich ganz verboten wurde.  

Andere kastrieren nach wie vor durch Entfernen der Hoden, müssen die Ferkel jedoch nun vorher betäuben, was zwar rechtlich ok, aus Tierschutzsicht jedoch keine optimale Lösung ist.

Leider gestaltet sich die Vermarktung des Fleisches immunokastrierter Schweine für viele Landwirte problematisch. Hier konnten wir zwar unterstützend fungieren und viele Lebensmittelketten, Metzgereien und Verbraucher von der Unbedenklichkeit und hohen Qualität dieses Fleisches überzeugen, dennoch weigern sich manche Händler hartnäckig, das Fleisch immunokastrierter Tiere in ihr Sortiment aufzunehmen.

Umso mehr freut es uns jetzt von den vielversprechenden Ergebnissen eines aktuell bestehenden Forschungsprojektes zu erfahren. Eine Gemeinschaftsforschung des Max-Rubner-Institutes und den Universitäten Gießen und Göttingen hat ein Verfahren entwickelt, bei dem Enzyme aus natürlichen Speisepilzen die Substanzen, welche den Ebergeruch hervorrufen, abbauen. In aktuellen Ergebnissen konnte der Gehalt an diesen Substanzen (den Hormonen Androstenon und Skatol) im Eberfleisch bereits um 90 % reduziert werden.  

Die Forschungen laufen noch, aber man darf die Hoffnung haben, dass im weiteren Verlauf noch bessere Erfolge erzielt werden können und man damit den männlichen Ferkeln in nicht allzu ferner Zukunft jegliche Form der Kastration und Narkose ersparen kann.