Stadttaubenmanagement

Komm mein Täubchen…

An dieser Stelle ergreife ich mal die Gelegenheit unser Projekt für die Sterilisation der männlichen Stadttauben ohne die Fremdeinwirkung von Presse und anderen Medien  zu erklären.

Der Gedanke, eine zusätzliche Möglichkeit zur Verringerung der Taubenpopulation wahrzunehmen kam mir schon vor geraumer Zeit. Wir haben bereits acht Taubenschläge, in denen wir Ei-Austausch seit Jahren betreiben. Es ist aber schwierig, in einer Stadt, wie Düsseldorf, alle Brennpunkte abzudecken. Dafür brauchen wir nämlich mindestens 25- 30 Schläge. Dann gibt es an vielen Stellen, z.B. unter Brücken kleine Taubenschwärme. Die Tiere hungern oft, leiden unter Krankheiten, brüten mehrmals im Jahr, häufig versterben die Babys an Unterernährung oder Krankheiten.

Es ist ein Elend und wir brauchen hier eine Tierschutzgerechte und machbare Art und Weise zu helfen.

Wir fangen also den ganzen Schwarm ein, sterilisieren die männliche Tiere,  behandeln alle medizinisch, päppeln sie auf  und setzen sie mitsamt dem restlichen Schwarm aus Jungtieren und Weibchen wieder zurück um sie  fortan mit  Hilfe einer von städtischer Seite erteilten  Fütterungsgenehmigung zu versorgen. In meinen Augen ist das engagierter Tierschutz.

Soweit die Theorie.

Tatsächlich aber sind wir in der Anfangsphase. Wir sterilisieren erst mal die Täuber, die im Tierheim sowieso leben uns sammeln Erfahrungen. Bisher 22 Tiere. Alle leben und es geht ihnen gut. Wir lassen uns viel Zeit, denn der Schutz und das Wohlergehen der Tauben liegen uns allen am Herzen.

Die Medien stürzen sich auf das Thema, aber wenn ich die Berichte lese oder sehe, fallen Aussagen auf, wie „Massen-Kastration der Bahnhofstauben“, oder „preiswerte Methode für die Städte“.

Mir wird dann regelmäßig übel. Entweder man hört mir nicht zu, oder sagt mutwillig die Unwahrheit. Ich habe dann Taubenschützer am Telefon, die mehr oder weniger harsche Kritik üben. Weil sie die Wahrheit gar nicht kennen. Übrigens wir kastrieren nicht, wir sterilisieren. Der Unterschied ist: bei der Kastration wird das Tier entmannt, die Eier werden abgeschnitten, bei der Sterilisation wird nur der Samenleiter entfernt. Der Täuber kann sein Leben als Mann weiter führen. Wichtig für das soziale Leben….

Wir machen jedenfalls weiter. Mit Umsicht, Vorsicht und Rücksicht. Für ein besseres Taubenleben.

Stadttauben

Konzept Stadttaubenmanagement

Der Tierschutzverein Düsseldorf betreibt seit ca. acht Jahren ein sogenanntes Tauben­management und betreut zurzeit sieben Taubenschläge in der Stadt sowie auf eigenem Gelände im Tierheim und im Jugendtierschutzzentrum. Zwei weitere Schläge sind zeitnah in Planung.

Das Problem

Stadttauben sind nicht vom Aussterben bedroht. Ihr Gefieder ist nicht farbenprächtig und ihr Gesang nicht sehr melodisch. Sie fliegen und laufen überall in unseren Städten herum, machen Schmutz, sind im Weg, und sie leiden und sterben still und zurückgezogen – meist unbeachtet und unbemerkt.
In unseren Städten sind sie für die meisten Menschen selbstverständlich, für viele lästig, für manche verhasst. Sie werden im besten Fall geduldet, meistens vertrieben, gejagt, gequält, verleumdet und missachtet – und sie haben nur eine kleine Lobby.
Dabei sind sie seit Jahrtausenden treue Gefährten der Menschen, in allen alten Kulturen rund um die Erde wurden sie – mit Recht – geschätzt und verehrt.
Viele ihrer Eigenarten wurden ihnen angezüchtet, unter anderem ihr unermüdliches Brutverhalten. Man wollte möglichst viele leckere, zarte Taubenbraten, viele Eier, viel Dünger, viele kleine Postboten – und das unabhängig von Jahreszeiten möglichst rund ums Jahr. 
Mit diesen „Zuchterfolgen“ haben wir nun, wo Tauben keine wirtschaftliche und soziale Bedeutung mehr haben, zu kämpfen. 

Hinzu kommt noch der „Taubensport“. Die Tiere werden gezüchtet und im großen Zahlen zu Wettberwerbszwecken aufgelassen. Um ihren Heimatschlag, und damit ihre Familie wieder zu erreichen, müssen sie oft bis mehrere hundert Kilometer zurücklegen. Die Tauben, die das schaffen steigen im Wert, die aber vom Weg abkommen, landen meist in den Städten, wo sie sich einem Schwarm anschließen, oder sie verenden irgendwo.

Die Städte überbieten sich seit Jahren im Erfinden von Vertreibungs- und Ausrottungs­methoden. Es wird viel Geld in die Hand genommen um Gebäude und Brücken mittels Spikes und Netzen zu vergrämen, um sie vor Taubendreck zu schützen.
Es hilft alles nicht. Die Tiere suchen sich ganz einfach neue Plätze.

Es werden Raubvögel zur Bejagung eingesetzt. Die Tauben fliegen davon und kommen zurück, wenn die Luft wieder rein ist.

Es werden Fütterungsverbote erlassen. Das führt, außer zu einer weiteren Verelendung der Tiere dazu, dass mitleidige Menschen nachts, in aller Heimlichkeit Futter ausbringen und sich seither verfolgt und gedemütigt fühlen und Angst vor Strafe haben müssen.

So viele Tauben man auch verbotenerweise durch Vergiften und andere unappetitliche Methoden „entsorgt“: es kommen immer wieder Neue. Dabei ist des Rätsels Lösung denkbar einfach: Sie brauchen ein Zuhause!

Die Lösung I – Taubenschläge

Der Plan ist, eine ausreichende Anzahl von Taubenschlägen an Standorten zu bauen, die stark von Tauben frequentiert werden.

In diesen Taubenschlägen werden die Tiere mit artgerechtem Futter (Körnermischung) regelmäßig versorgt.
Da sie von Natur aus eher bequem sind, ziehen sie sich gern hierhin zurück, verbringen so ca. 80 % des Tages hier, paaren sich und brüten auf ihren Eiern.
Diese Eier werden regelmäßig, ohne dass die Tiere es bemerken, gegen Attrappen (Gips oder Plastik) ausgetauscht.
Durch diese gesteuerte Geburtenkontrolle stoppt die Population. Der Tierschutzverein Düsseldorf hat in bisher ca. 60.000 Eier ausgetauscht und damit neue Tauben sowie deren Nachkommen verhindert.

Der Kot (pro Tier 10 kg im Jahr) wird nicht mehr auf den Straßen und Gebäuden abgesetzt. Er kann im Schlag entsorgt werden. Dieser wird durch den Betreuer regelmäßig gesäubert und kontrolliert.

Ärger und Diskussionen über Für und Wider diverser Maßnahmen sowie die Zeitverschwendung durch immer wieder auf der Tagesordnung erscheinenden gleichen Argumente und Gegenargumente, bleibt den Stadtverwaltungen erspart.

Durch artgerechtes Futter, sauberes Wasser und wenn nötig medizinische Hilfe und Pflege entstehen kleine, gesunde Populationen. Das bedeutet auch: Es geht von den Tauben keine Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung aus. In vielen anerkannten Studien wurde dies bewiesen.

In einigen deutschen Städten wird bereits die hier beschriebene effiziente Herangehensweise praktiziert. Den größten Erfolg können allerdings nur die Städte verzeichnen, die konsequent und professionell vorgehen und im Laufe der Zeit flächendeckend agieren. Das Ziel ist:

  • keine hungrigen Tauben auf der Straße
  • keine beschmutzen Gebäude und Autos
  • keine hässlichen Vergrämungen, die das Stadtbild beeinträchtigen

Durch die artgerechte Fütterung in den Schlägen wird auch die Verkotung eingeschränkt, weil die Vögel nicht mehr den nassen Durchfallkot produzieren, der sich schlecht durch die Straßenreinigung entfernen lässt.

Die Lösung II – Sterilisation

Es gibt noch eine andere Möglichkeit die Population zu verringern, nämlich die Sterilisation der Täuber.  Diese bietet sich vor allem an Standorten an, an denen keine Möglichkeiten für die Errichtung eines Taubenschlages besteht, außerdem für kleine Schwärme, für die sich ein eigener Schlag nicht lohnt oder dort, wo die Tiere ihren festen Platz bereits haben, z.B. unter einer Brücke.

Im  letzten Jahr haben wir angefangen Täuber zu sterilisieren. Unsere Tierärztin hat bei Prof. Liertz ( UNI Gießen) das erforderliche Vorgehen erlernt.

Bisher haben wir ca. 40 Tiere behandelt. Zunächst haben wir teils durch Beobachtung, teils durch Genuntersuchung das Geschlecht bestimmt. Dann wurden die Tiere auf ihren Gesundheitszustand untersucht und bei guter Prognose operiert. Bisher haben alle überlebt und erfreuen sich bester Gesundheit.

Das Ziel ist hierbei, zukünftig die Tiere an ihren alten Aufenthaltsorten wieder auszusetzen und, je nach Situation, mit Sondergenehmigung durch den Tierschutzverein füttern zu lassen. Damit haben wir gesunde, richtig ernährte Tiere, die sich nicht mehr vermehren können, aber im Sinne des Tierschutzes ein gutes Leben führen können.